Eine junge Frau umarmt eine ältere Frau und beide lächeln.

Aktienrente: Neue Wege der Rentenfinanzierung

Das deutsche Rentensystem steht vor einem großen Problem: Künftig wird es immer mehr Rentner und immer weniger Beitragszahler geben. Um die Finanzierung langfristig zu sichern, hat die Bundesregierung eine neue Rentenreform auf dem Weg gebracht, inklusive einem neuartigen Finanzierungsmodell – der Aktienrente.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rentenpaket II: Mit einer neuen Rentenreform will die Bundesregierung das Rentenniveau sichern und die Finanzierung des Rentensystems erweitern.
  • Aktienrente: Mit Investitionen am Kapitalmarkt will die Bundesregierung künftig die Beiträge zur Rentenversicherung stabil halten.
  • Selbst vorsorgen: Die Renten steigen mit der Rentenreform nicht. Wer mehr Geld im Alter haben möchte, muss selbst vorsorgen.

Rentenpaket II: Die Eckpunkte

Im Mai 2024 hat das Bundeskabinett das Rentenpaket II beschlossen. Mit dem neuen Gesetz soll das aktuelle Rentenniveau von 48 Prozent mindestens bis 2039 gehalten werden. Dadurch können die Renten weiterhin im Einklang mit der Lohnentwicklung angepasst und erhöht werden. Zusätzlich soll aus Bundesmitteln ein sogenanntes Generationskapital aufgebaut werden, indem Geld am Aktienmarkt angelegt wird. In die Aktienrente soll bereits ab diesem Jahr erstmalig investiert werden.

Aktienrente: Was ist das?

Die Aktienrente – offiziell Generationenkapital genannt – soll ein zusätzlicher Baustein zur Finanzierung der Rentenversicherung werden. Dafür wird ein Fond eingerichtet, den der Bund mit Geldern aus dem Bundeshaushalt und Krediten füllt. Der Fond wird von einer öffentlich-rechtlichen Stiftung verwaltet, die das Geld fast ausschließlich in Aktien anlegt. In 2024 sollen so erstmals 12 Milliarden Euro durch den Bund zur Verfügung gestellt und investiert werden. In den kommenden Jahren sollen die Beträge steigen, um bis 2035 einen Kapitalstock von 200 Milliarden Euro zu erreichen. Die erhofften Renditen des Kapitalstocks sollen dann zukünftig dazu beitragen, die Rentenbeiträge stabil zu halten. Ab 2036 sind jährlich 10 Milliarden Euro Ausschüttung an die Rentenversicherung geplant. 

Was soll mit dem Generationenkapital erreicht werden?

In Deutschland werden die Renten durch die arbeitende Bevölkerung finanziert – durch Beiträge zur Rentenversicherung, die monatlich vom Lohn abgezogen werden. Das Problem: In den kommenden Jahren gehen mehr Menschen in Rente, als jüngere Generationen in den Arbeitsmarkt nachrücken. Um die Renten weiterhin finanzieren und das Rentenniveau bei 48 Prozent halten zu können, müssen langfristig die Beiträge zur Rentenversicherung steigen. Die Aktienrente soll das künftig abfedern. Aktuell liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent. Dieser soll bis zum Jahr 2027 unverändert bleiben. Ab 2028 bis 2035 wird mit einem Anstieg auf bis zu 22,3 Prozent gerechnet. Mit der ersten Ausschüttung der Aktienrente Mitte der 2030er sollen die Beiträge danach stabil bleiben.

Gibt es mit der Aktienrente mehr Geld für Rentner?

Nein, die Erträge fließen nicht in die Rentenzahlungen. Stattdessen werden die Beitragszahler künftig entlastet. Damit sollen vor allem jüngere Generationen vor stark steigenden Beiträgen geschützt werden – daher der Name Generationenkapital. So kann die Aktienrente dafür sorgen, dass das Rentensystem auch in Zeiten demografischer Veränderungen gerecht bleibt.

Pro und Kontra der Aktienrente

Das Rentenpaket II und die Einführung des Generationenkapitals werden intensiv diskutiert und bringen sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich.

Pros

Stabiles Rentenniveau

Sozialverbände und Gewerkschaften begrüßen die Sicherung des Rentenniveaus. Sie betonen, dass ein stabiles Rentenniveau Entlastung und bessere Absicherung im Alter bedeutet und den Aufwand für private Vorsorge reduziert.

Langfristige Renditen

Aktien haben über lange Zeiträume hinweg tendenziell höhere Erträge erzielt als die Zinsen, die der Staat für Kredite zahlen muss. Dies kann einen Beitrag zur Stabilisierung des Rentensystems leisten.

Entlastung der Beitragszahler

Die Erträge aus dem Generationenkapital sollen zur Stabilisierung der Rentenbeiträge genutzt werden, wodurch der Druck auf die jüngeren Generationen verringert wird.

Kontras

Zu kurz gedacht

Es wird kritisiert, dass das Rentenpaket II keine ausreichende Lösung für die Herausforderungen des demografischen Wandels bietet und die Beitragssätze langfristig erheblich steigen werden.

Begrenzte Entlastung

Wirtschaftsexperten bemängeln, dass das Generationenkapital nicht genügend Rendite generiert, um die gesetzliche Rente spürbar zu entlasten. Die geplanten zehn Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen pro Jahr seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Hohe Zinsen

Kritiker weisen darauf hin, dass der Unterschied zwischen den Kreditkosten und den Aktienerträgen sehr gering sein könnte, insbesondere in Zeiten steigender Zinsen. Um eine signifikante Entlastung zu erreichen, müsste wesentlich mehr Geld angelegt werden als derzeit geplant.

Generationenkapital keine echte Aktienrente

In ihrem Koalitionsvertrag hatten die Ampelparteien vereinbart, die gesetzliche Rentenversicherung um eine teilweise Kapitaldeckung zu erweitern. Der ursprüngliche Vorschlag der FDP sah eine Aktienrente vor, wie sie bereits in Schweden seit Jahren umgesetzt wird. Dafür sollten Versicherte zwei Prozent des eigenen Bruttoeinkommens in eine gesetzliche Aktienrente einzahlen. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung sollte entsprechend reduziert werden. Mit diesem Vorschlag hätten Versicherte selbst in Aktien oder Fonds investiert. Langfristig und breit angelegt, kann das eine höhere Rendite und somit eine bessere Absicherung im Alter bieten. Versicherte würden aber auch selbst das Risiko tragen, dass durch Verluste die Altersabsicherung gefährdet werden könnte. Mit dem Generationenkapital hat die Bundesregierung einen anderen Weg gewählt. Versicherte investieren mit ihren Beiträgen nicht selbst am Finanzmarkt und erhalten somit auch keine echte Aktienrente. Stattdessen legt der Staat eigenes Geld an, um die Beiträge der Rentenversicherung zukünftig stabil zu halten.

Zusätzliche Altersvorsorge bleibt unverzichtbar

Mit dem neuen Rentenpaket erhalten Rentner und Rentnerinnen nicht mehr Geld. Im besten Fall bleiben die Renten stabil und passen sich der Lohnentwicklung an, ohne dass Beitragszahler übermäßig belastet werden. Wer mehr Geld im Alter haben möchte, muss weiterhin selbst aktiv werden. Die Riester- oder Rürup-Rente, private Rentenversicherungen, betriebliche Altersvorsorge oder Investitionen in Immobilien und Wertpapiere sind Möglichkeiten, die gesetzliche Rente zu ergänzen. Ein frühzeitiger Start hilft, langfristig davon zu profitieren und eine solide finanzielle Basis für den Ruhestand aufzubauen. 

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